Wozu braucht es Rituale? Kulturwissenschaftliche und neurobiologische Perspektiven
Date 20 May 2010, 8:30 – 20 May 2010, 22:00
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Leitung: Prof. Dr. Axel Michaels
Noch immer ist weitgehend ungeklärt, welchen psychischen Nutzen Rituale
haben. Kontrovers ist, ob der Mensch überhaupt Rituale braucht. Vielen
erscheinen sie als ein überflüssiger, gar hinderlicher Wurmfortsatz der
Evolution; andere halten die Wiederholungen von Ritualen für das Lernen
oder andere – auch kulturelle – Gedächtnisleistungen für unverzichtbar.
Rituale können helfen, Emotionen zu beherrschen. Sie stehen aber auch im
Ruf, Kreativität und Erneuerung zu behindern. Gibt es einen
ritualisierten Zwang zum Ritual? Oder welche Freiheiten lässt das
Ritual? Das Spannungsverhältnis von Ritual und Gewohnheit
ist Thema des 14. Berliner Kolloquiums. Mit ihren Beiträgen aus
psychologischer und ökonomischer, neuro- und kognitions- sowie
kulturwissenschaftlicher Sicht weisen die Referenten neue Wege in der
Ritualforschung.
Lange Zeit galten Rituale in den westlichen Kulturen als etwas für die
Anderen, für die “Wilden” oder “Primitiven”, die Kulte aber keine
Religion kannten. Rituale galten als konservativ, traditionsbewahrend
und rückständig. Erst in den letzten 30 Jahren änderte sich diese
Einstellung, indem das kreative und erfahrungsbezogene Potential von
Ritualen erkannt und anerkannt wurde. Mit der positiveren Sichtweise
wurden zunehmend auch eigene Handlungskomplexe als Rituale begriffen und
interpretiert. Rituale wurden mehr und mehr als kulturelle (Sub)Systeme
angesehen und immer zahlreichere Handlungskontexte wurden unter dem
Aspekt ihrer Ritualisierung studiert.
Abendvortrag:
“Ritual und Freiheit”
Prof. Dr. Wolf Singer
Direktor der Abteilung für Neurophysiologie
Max-Planck-Institut für Hirnforschung, Frankfurt am Main
